Hochzeit in Saalfeld

Anfang August durfte ich Frances und Thomas zu Ihrer Hochzeit ins Standesamt Saalfeld als Hochzeitsfotograf begleiten. Die Beiden sind ein ganz tolles Paar und liebevolle Eltern von zwei zauberhaften Kids. Für sie war die standesamtliche Trauung eigentlich nur ein notwendiges übel vor ihrer kirchlichen Hochzeit. Trotzdem sollte der Tag der Eheschließung gefeiert werden.

Standesamt Saalfeld

Los ging die Hochzeit am Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein vor dem historischen Rathaus der Kreisstadt Saalfeld. Die Familie traf sich im engsten Kreis nebst den besten Freunden und Trauzeugen. Trotz des eher bürokratischen Aktes flossen während der Trauung ein paar Tränchen bei Trauzeugen und Brautpaar. Nachdem der offizielle Teil begangen wurde fanden sich alle im wunderbar geschmückten Garten der kleinen Familie ein. Bei herrlichem Wetter gab es eine sehr leckere, selbstgebackene Hochzeitstorte und bunte Süßigkeiten für die Kids.


So viel Glück wie die Beiden Vor und Nach der Eheschließung hatten, so schlecht meinte es der Wettergott am späten Nachmittag. Aber ein kräftiges Gewitter am Hochzeitstag soll ja bekanntlich Glück bringen und der Stimmung hat es zumindest keinen Abbruch getan.


Mit den letzten Tropfen des Regenschauers konnten dann endlich und (fast) heimlich die Fichten vor das Hoftor von Frances und Thomas gestellt werden. Für mich war es doch recht überraschend wieviel Zeit es benötigt diesen alten Thüringer Brauch in die Tat umzusetzten. Mit schwerem Gerät wurden die Betonblöcke als Ständer vor dem Tor aufgestellt. Die Fichten, Girlanden und Papierblumen waren bereits vorbereitet und mussten nur noch angebracht werden. Alles in allem hat es dann aber doch fast 2 Stunden gebraucht bis alles perfekt war. Wieviel Zeit die Vorbereitung in Anspruch genommen hat, will man da lieber nicht wissen :-). Jedenfalls toll was man so auf sich nimmt um das Brautpaar zu überraschen. Die Freude der beiden war jedenfalls riesig.

Fichten stellen zur Hochzeit

Der Brauch des Fichten stellens ist in vielen Teilen Thüringens und auch im Harz schon sehr lange Tradition. Auch zur letzten Hochzeit in Saalfeld durfte ich diesem Brauch beiwohnen. Besonders auf den Dörfern werden vor dem Polterabend die gut ausgewählten und liebevoll vorbereiteten Bäumchen vor die Haustür der Brautpaare gesetzt. Die Fichten werden mit Girlanden, Kränzen und Papierblumen geschmückt und sollen dem Paar Glück bringen. Manchmal findet man auch Babykleidung an dem Türschmuck, dies soll balden Kindersegen einläuten.


Die Vorbereitungen und das Aufstellen finden meist im vorborgenen und heimlich statt. Ist das Werk dann allerdings vollbracht ist für jedermann gut sichtbar das hier eine Trauung ins Haus steht. So alt wie der Brauch, ist auch die Rollenverteilung bei den anstehenden Aufgaben. Für gewöhnlich treffen sich die Frauen des Dorfes um die Blüten, Kränze und Girlanden aus Fichtenzweigen zu binden. Das Aufstellen und Anbringen ist dann reine Männersache. Die Fichten bleiben für meist mehrere Wochen lang stehen.
Als Brautpaar steht man anschließend natürlich in der Pflicht die fleißigen Kranzbinder und -binderinnen zum Umdrunk einzuladen. Bei ein paar Gläsern Bier, Sekt und Schnaps feiert man nach getaner Arbeit die Helfer.
Übrigens: zur silbernen Hochzeit wiederholt sich dieses Ereignis meist nochmal.